NABU Kreisverband Düren
 
Startseite -> Stellungnahmen->
 Suchen
 E-Mail senden Aktuelle Seite drucken
 
 
NetConMedia Sponsor-Projekt
   

30. Änderung des FNP der Stadt Linnich „Windenergie Körrenzig-Kofferen-Hottdorf, Boslar und Gereonsweiler und BBP Nr. 6 Windenergie Gereonsweiler-Linnich

BUND-Logo                                                            NABU Logo

 

 

 

Stadt Linnich                                                                                Düren, 10.09.2017

Stabsstelle für Planungen

Rurdorfer Straße 64

52441 Linnich

 

 

 

Betr.: a) 30. Änderung des FNP der Stadt Linnich „Windenergie Körrenzig-Kofferen-
         Hottdorf, Boslar und Gereonsweiler
         b)  BBP Nr. 6 Windenergie Gereonsweiler-Linnich

         Landesbüro Zeichen: 11-06.15 BLP

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

zu obiger Planung geben die Naturschutzverbände BUND und NABU folgende Stellungnahme ab.

 

Trotz aller Wissenslücken stehen die negativen Auswirkungen von Windenergieanlagen auf bestimmte Brut-, Gastvogel- und Fledermausarten, auf Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft außer Frage. Diese Auswirkungen sind mindestens ebenso belegt wie die Gefährdung des Klimas durch Kohlendioxid oder der Beitrag der erneuerbaren Energien zum Klimaschutz. Deshalb erfordert der Ausbau der Windenergie, wie die Nutzung aller anderen Energiequellen und jede Landnutzung, die volle Integration der Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege. Dies verlangt u. a. den Schutz der Gebiete, die nach nachvollziehbaren Kriterien eine besondere Bedeutung für Naturschutz und Landschaftspflege haben. Dazu zählen auch Lebensräume geschützter und gefährdeter Tierarten.

 

Die Beachtung dieser Anforderungen sollte schon vom Planer selbst erwartet werden können, denn kein anderer Teil der Energiewirtschaft stellt nach außen hin seine Verantwortung für die Umwelt so sehr heraus und möchte seine Interessen mit dieser Verantwortung legitimiert sehen wie die Windenergiewirtschaft.

 

WKA Zone 1 Körrenzig-Kofferen-Hottorf

 

Die Kartierung der OU Linnich-Hottdorf zeigt das hier folgende Arten bei der obigen Planung mit aufgenommen werden müssen 

  • Braunkehlchen
  • Kornweihe

WKA Zone 3 Boslar 

Artspezifische Empfindlichkeit gegenüber WEA
Die Aussagen von ecoda sind längst wiederlegt. (Anhang Staatliche Vogelschutzwarte)

Kiebitz

Die Aussage, dass der Kiebitz nur ein geringes Kollisionsrisiko besitzt, ist nicht nachvollziehbar. Die Schlagopferkartei belegt genau das Gegenteil. 

CEF Massnahmen

  • Die Maßnahmen müssen die Funktion der Fortpflanzung und Ruhestätten nachweislich vollständig ersetzen (volle Funktionalität)
  • Es verbleibt keine zeitliche Lücke zwischen dem Verlust der alten Lebenstätte und der Funktionsfähigkeit der neuen Lebensstätte (zeitliche Kontinuität).
  • Die vom Verlust der alten Lebensstätte konkret betroffenen Individuen werden die neue Lebensstätte annehmen.
  • Der Anwendungsbereich von CEF Maßnahmen ist auf die Beeinträchtigung von Fortpflanzung und Ruhestätten beschränkt. Bei Störungs und Tötungsverboten sind CEF Maßnahmen unzulässig.

Die Umsetzung hat sich an dem Leitfaden „Wirksamkeit von Artenschutzmaßnahmen „für die Berücksichtigung artenschutzrechtlich erforderlichen Maßnahmen NRW zu orientieren.

 

Feldlerche RL NRW 3S

 

Die Feldlerche wird in der RL NRW in der Gefährdungskategorie 3 „gefährdet“ geführt. Der Rückgang dieser ehemaligen „Allerweltsart“ in den letzten Jahren ist landesweit dramatisch. Im Brutvogelatlas 2013 wird der Trend mit stark abnehmend angegeben (NWO & LANUV (2013): Die Brutvögel Nordrhein-Westfalens). Im Bergischen Land ist sie weitgehend verschwunden (Stumpf 2009). Gegenüber den 1980er Jahren dürfte der Bestandsverlust landesweit etwa 80% betragen (Sudmann et al. 2008). Dementsprechend bewertet das LANUV den Erhaltungszustand der Art aktuell als „ungünstig mit deutlichem Abnahmetrend“ (http://www.naturschutz-fachinformationssysteme-nrw.de).

Forderung: Bei abnehmender Populationsgröße der Feldlerche in ganz NRW und nicht funktionierenden Ausgleichsmaßnahmen sind weitere Verluste nicht akzeptabel. Hinweise auf potentielle Ausweichhabitate sind irrelevant. Aufgrund der Häufigkeit dieser Art im Plangebiet muss die Planung aufgegeben werden.  Ein Abschieben der Verantwortung ist ökologisch nicht zu akzeptieren, weil so Eingreifer ihren Schaden nicht ausreichend ausgleichen.

 

Rebhuhn RL NRW 2

                                                

Der Bestand dieses früher weit verbreiteten „Allerweltvogels“ hat allein von 2006 bis 2012 in NRW um mehr als 45 Prozent abgenommen. „Nennenswerte Restbestände gibt es praktisch nur noch in der Zülpich-Jülicher Börde, auch dort wird der Bestand immer lückenhafter. (Bericht des Dr. Jürgen Eylert von der Forschungsstelle für Jagdkunde).

Da sich die Gesamtpopulation in einem für den landesweiten Fortbestand kritischen Erhaltungszustand befindet, werden die noch relativ gut besiedelten Gebiete zur Erhaltung des Ausbreitungspotenzials gebraucht.

 

Mäusebussard

 

Anders als der Gutachter sind die Naturschutzverbände der Auffassung, dass der Mäusebussard bei der Planung zu berücksichtigen ist. Die Nichtbeachtung des Mäusebussards beim Bau von WEA in NRW steht im Widerspruch zu geltendem Artenschutzrecht und wird daher von uns abgelehnt. Anders als die

Landesregierung NRW halten die Naturschutzverbände und andere Landesregierungen, z.B. Niedersachsen, es für gemeinschaftsrechtlich nicht haltbar, den Verlust der unter die Vogelschutzrichtlinie fallenden Arten Mäusebussard und Turmfalke an WEA unter Hinweis auf die Häufigkeit der Arten hinzunehmen. Die zahlreichen Verkehrsopfer dürfen nicht Anlass sein Todesfälle durch Windkraftanlagen billigend in Kauf zu nehmen.

Insofern sind auch einzelne, nicht auszuschließende Tötungen oder Verletzungen von Mäusebussarden und Turmfalken an WEA als Verbotstatbestand nach § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG zu werten. In der aktuellen Arbeitshilfe für Niedersachsen „Naturschutz und Windenergie“ ist für den Mäusebussard ein Tabubereich um die Horste von 500 m festgelegt (Arbeitshilfe „Naturschutz und Windenergie“, Niedersächsischer Landkreistag, Oktober 2014). Wir halten diesen Abstand zum Schutz dieser Art auch in NRW für erforderlich. Im Übrigen verweisen wir auf die Progress Studie der Universität Bielefeld, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums von O. Krüger durchgeführt wurde. Hierzu erklärt L. Lachmann, Referent Ornithologie in der Bundesgeschäftsstelle des NABU, was den eigentlichen Neuigkeitswert der Studie ausmacht: „Das Zwischenergebnis der Progress-Studie zeigt, dass Rotmilan und Mäusebussard durch die Windkraft in der Population bedroht sind.“ Die Progress-Studie beziffert die Zahl von 7800 getöteten Mäusebussarde an Windanlagen in mehreren Bundesländern jährlich. Das sind 7% des Brutbestandes. Die Verluste sind als populationsgefährdend anzusehen.

 

Wespenbussard RL NW 2 VS Anh.I

 

Der Wespenbussard ist als planungsrevelante Art einzustufen. Im FFH Gebiet Rurmäänder zwischen Floßdorf und Broich konnten schon Wespenbussarde nachgewiesen werden. Erforderlich ist hier eine Raumnutzungskartierung.

 

Krickente

 

Dieser Art ist ebenfalls als planungsrevelant einzustufen

 

Wachtel

 

Sehr kritisch für die Planungen ist auch die mehrfach kartierte Brut der Wachtel zu bewerten. Es ist bekannt, dass Wachteln die Nähe zu WEA meiden und durch akustische Störwirkungen vertrieben werden. Da der Bestand dieser besonders geschützten Art abnimmt und sich die Art in einem ungünstigem Erhaltungszustand befindet, dürften in der Nähe von Wachtelbrutrevieren keine WEA errichtet werden.

Der ungünstige Erhaltungszustand wird sich bei Umsetzung der Planung weiter verschlechtern und die Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes würde behindert. Auch ein kleinflächiger Verlust von Wachtelbrutrevieren ist nicht hinnehmbar. Hier sind großflächige Maßnahmen notwendig um eine ausreichende Reproduktion in kolonieartigen Brutverdichtungen sicherzustellen. Kleinräumige „Hier und dort“ Maßnahmen helfen der Art nicht weiter.

 

Rohrweihe

 

Es besteht hier Brutverdacht im Bereich Hof Meyer Gohrenhof.

 

Aus den oben genannten Gründen lehnen wir die Planung für  die 30. Änderung des FNP der Stadt Linnich „Windenergie Körrenzig-Kofferen-Hottdorf, Boslar und Gereonsweiler aus naturschutzfachlichen Gründen ab.

 

 

WKA Zone Nr. 6 Gereonsweiler


ASP

 

In der ASP sind auch Kartier-Daten aus anderen Vorhaben, Plänen und Projekten einzuarbeiten in ihrer Summation und Summationswirkung nachzuholend darzustellen und bei der Abwägung zu berücksichtigen. Dies ist nicht geschehen. Das Weglassen dieser Daten kann als unzulässige Unterlassung der Ermittlung von lokalen artenschutzrechtlich relevanten Betroffenheiten gewertet werden.

Die Recherche dieser Daten auch zur Ermittlung der Lebensraumbeziehungen und der Kumulationseffekte sowie der Beeinträchtigung der lokalen Population sollte von einem Gutachter erwartet werden.

So ist bereits der gesamte nördliche Korridor des Kreises Düren von Windenergieanlagen zugebaut worden. Gerade dies ist als Breitfrontzug für die Kraniche bekannt.

 

Wir widersprechen der Aussage das die betroffenen Arten wie Feldlerche, Kiebitz, Wachtel usw. das diese auf die umliegende Fläche ausweichen können, ohne zu wissen ob die Reviere sich überhaupt eignen oder ob diese bereits besetzt sind.

Es geht hier letztendlich um das Überleben diesen Arten.

 

Kartierung

 

Alle Erfassungen sind von fachlich versierten Ornithologen durchzuführen, entsprechende Referenzen sind vorzulegen. Es ist eine enge Abstimmung mit den vor Ort tätigen Ornithologen, Artkennern und Gebietsbetreuern (Bio Station Kreis Düren) erforderlich.

Vorliegende dokumentierte Beobachtungen der örtlichen Vogelkundler sind zu berücksichtigen.

Untersuchungsumfang und Methodik sind in den entsprechenden Gutachten ausführlich und nachvollziehbar zu beschreiben. Es ist eine genau Dokumentation der Untersuchungen inkl.-  der Angabe von Erfassungstagen, -zeiten und Wetterbedingungen, Beobachter etc. vorzulegen.

Um den avifaunistischen Bestand annähernd abbilden zu können sind die Kartierungen allesamt über den Zeitraum von 2 Kalenderjahren erfolgen, damit starke jährliche Schwankungen der Bestände insbesondere bei Offenlandarten und damit jährliche Änderungen der Lage von Brutplätzen (Bodenbrüter, Wechselhorste baumbrütende Greifvögel) in die Betrachtung eingehen können.

Die Erfassung über mindestens zwei Jahre ist für eine Raumnutzungskartierung unbedingt erforderlich, da das Raumnutzungsverhalten der relevanten Arten von Jahr zu Jahr sehr variabel sein kann.

 

Das zu untersuchende Gebiet einer faunistischen Kartierung muss alle Bereiche abdecken in den Auswirkungen auf die entsprechende Artengruppe zu erwarten sind.

Auch für die Abgrenzung des Untersuchungsgebietes flächendeckende Kartierung von Rastvögel und Wintergästen sind die entsprechenden Abstandempfehlungen zu berücksichtigen.

Es ist hier auf die empfohlenen Abstände zu bedeutenden Gastvogellebensräume (Gänse) zurückzugreifen (10-fache Anlagenhöhe, mind. 1200m).

 

Wir halten hier eine ASP für die Planung für erforderlich. Bei Nachweis dieser Arten ist die Planung einzustellen.

 

Wildgänse

 

Der Nordkreis von Düren ist schon seit einigen Jahrzehnten als bedeutender Winterrastplatz von Wildgänsen bekannt. Besonders Saatgänse, aber auch Blässgänse überwintern auf den Äckern zwischen Bourheim, Gereonsweiler und Titz. Dabei wechseln sie häufig zwischen Gereonsweiler und Titz/Ameln hin und her und sind daher durch die geplanten WEAs unmittelbar betroffen. Das große Vorkommen von rastenden Saatgänsen macht diesen Rastplatz so wertvoll und daher dürfen keine Gefährdungsfaktoren wie WEA diesen gefährden. Neben dem Niederrhein ist die Jülicher Börde somit einer der bedeutendsten Winterrastplätze für Wildgänse in Nordrhein-Westfalen. Gerade auch im Bereich der Ackerflächen um Gereonsweiler rasten in den Wintermonaten mehrere Tausend Wildgänse. Neben Saat- und Blässgänsen konnten auch schon Grau- und Rothalsgänse sowie Nonnengänse als Wintergäste nachgewiesen werden. Aus diesem Grund ist eine Errichtung von WEAs in diesem Bereich abzulehnen, da sie ein hohes Tötungsrisiko für die großen Schwärme darstellen. Das unten angefügte Foto wurde im Bereich Gereonsweiler im Winter 2017 aufgenommen und zeigt die Gefahr, die Für die Wildgänse von den WEAs ausgeht.

 

Landschaftsbild

 

WEA sind technische Bauwerke, die insbesondere in Form von Windfarmen nicht nur in einem beträchtlichen Umfang Flächen beanspruchen, sondern auch wegen ihrer Größe, Gestalt, Rotorbewegung und -reflexen großräumige Wirkungen ausüben, die das Erscheinungsbild einer Landschaft verändern und ihr bei großer Anzahl und Verdichtung den Charakter von Offenlandschaften nehmen. Die Geräuschentwicklung und der Infraschall der Anlagen stellen ein zusätzliches Problem dar. Die je nach Standort (z. B. Nähe zu Flugplätzen) oder Bauhöhe (mehr als 100 m über Grund) erforderliche Kennzeichnung gemäß der Allgemeinen Vorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrthindernissen kann zu einer zusätzlichen erheblichen Beeinträchtigung führen. Das gilt für farbliche Kennzeichnungen, insbesondere aber auch dann, wenn die Kennzeichnung durch weiß blitzende Feuer (tags) und rote Hindernisfeuer bzw. Gefahrenfeuer (nachts) erfolgt. Bau- und anlagebedingt werden durch die WEA weitere Teile, Funktionen oder Werte von Natur und Landschaft in Mitleidenschaft gezogen. Das gilt auch für die Überbauung von Boden infolge von Erschließungsmaßnahmen, Kranstellflächen, Wegebau und Grabenverrohrungen für Überfahrten und für die Fundamente der Anlagen.  Windkraftanlagen sind großtechnische Strukturen, die sich, das verdeutlichen die Ergebnisse, ästhetisch nicht in naturgeprägte Umwelten, wie sie Landschaften darstellen, einfügen. (Nohl 2009). Die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes ist nicht kompensierbar.

 

Regionalplan

 

Die Bereiche des „Beeckfließ“, der sich im südwestlichen Bereich des Plangebietes befindet, sind als Flächen zum Schutz der Landschaft und landschaftsorientierter Erholung dargestellt (BSLE).

Dazu gehört auch eine visuelle Wahrnehmung. Es ist uns unverständlich wie bei einer solchen Massierung von 11 Windkraftanlagen bei einer Höhe   von 150m noch eine solche Erholung stattfinden kann.

 

Aus den oben genannten Gründen lehnen wir die Planung für den BBP Nr.6 BBP Windenergie Linnich-Gereonsweiler aus naturschutzfachlichen Gründen ab.


Zusätzliche Informationen anfordern... Zusätzliche Informationen anfordern...

Unsere Sponsoren
Unterstützen auch Sie uns und unsere Arbeit...
 
Unterstützen auch
Sie
uns und unsere Arbeit...
 
Zum Seitenanfang Seitenanfang | Sitemap | News-Archiv | Kontakt | Impressum