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Die Erdkröte (Bufo bufo) ist Lurch des Jahres 2012

Portrait

Die Erdkröte ist die Symbol­art des Amphibienschutzes an Straßen. Seit Jahrzehnten werden ihre Wanderungen zum und vom Laichgewässer an vielen tausend Stellen in Deutschland und anderen Ländern  mithilfe saisonaler Schutzzäune (Amphibienschutzzäune), zeitlich befristeter Straßensperrungen oder fest installierter Amphibienschutzanlagen mit Durchlässen gesichert. Damit werden jährlich abertausende Erdkröten und andere Amphibien vor dem sicheren Verkehrstod bewahrt. Aus diesem Grund wurde die Erdkröte vom der DGHT (Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde), dem NABU sowie weiteren Verbänden für das Jahr 2012 zum Lurch des Jahres gekürt.  

Allgemeines
SeitenansichtDer wissenschaftliche Name der Erdkröte lautet Bufo bufo, was übersetzt einfach nur „Kröte“ heißt. Die Art ist über fast ganz Europa verbreitet. Auch in Deutschland kommt sie nahezu flächendeckend vor und ist neben Grasfrosch und Teichmolch die häufigste Amphibienart.
Männchen und Weibchen der Erdkröte unterscheiden sich deutlich in Bezug auf Körpergröße und -gewicht: In Mitteleuropa erreichen ausgewachsene Weibchen bis 12 cm (in seltenen Fällen bis 17cm) und Männchen bis 9 cm Länge. Damit ist sie die größte einheimische Kröte. Auf ihrem breiten, kantigen Kopf beginnen direkt hinter den Augen paarig angeordnete, wulstige Ohrdrüsen. Auf der Oberseite des gedrungenen Körpers ist die raue Haut mit vielen runden Warzen besetzt.
Die unauffällige Körperfärbung der Erdkröte variiert zwischen Braun oder Grau und geht selten auch ins Olive oder Rötliche. Im Kontrast dazu stehen die auffallend schönen „güldenen“ Augen dieser Lurche. Während der Paarungszeit entwickeln sich beim Männchen an den Innenseiten des 2. und 3. Fingers schwarz gefärbte, verhornte Brunstschwielen. Mithilfe dieser Schwielen hält sich das Männchen auf dem Rücken des Weibchens fest. Das „Huckepack-Tragen“ beginnt oft schon auf dem langen gemeinsamen Weg zum Laichgewässer und hält während der gesamten Laichphase an; erst danach trennen sich die Paare. Erdkröten können sehr alt werden: In Terrarienhaltung sind 36 Jahre belegt, während im Freiland ein maximales Lebensalter von 10–15 Jahren wahrscheinlich ist.
 
Zum Leben der ErdkrötePaar auf dem Weg zum Laichgewässer
Erdkröten haben, wie viele andere Amphibien auch, einen festen Jahreszyklus. Nach der Winterruhe, die sie in frostsicheren Bodenverstecken verbringen, wandern die Erdkröten zu ihrem Laichgewässer, um sich fortzupflanzen. Dabei suchen die Kröten immer ihr Geburtsgewässer auf. Zum Start der Wanderung brauchen die wechselwarmen Amphibien Nachttemperaturen von 6 bis 10°C. Bei diesen Temperaturen werden sie ab Februar/März aktiv und begeben sich in den Dämmerungs- und Abendstunden auf den teils langen Weg (bis zu 5 km, meist aber einige hundert Meter) zum Gewässer. Aufgrund ihrer sehr empfindlichen Haut, die besonders für die Feuchtigkeitsregulation zuständig ist, wandern die Erdkröten nur bei feuchtem Wetter. Ansonsten wäre die Gefahr der Austrocknung zu groß.
Da so gut wie immer die Männchen bei den Erdkröten zahlenmäßig weit überlegen sind, Dreierpackversuchen sie schon auf dem Weg zum Laichgewässer eines der wenigen Weibchen für sich zu „erobern“. Dies sieht dann so aus, dass sich die Männchen auf den Rücken des Weibchens festklammern. Dazu nutzen sie ihre Brunftschwielen an den Vorderfüßen, mit denen sie sich in den Achseln des Weibchens verhaken. Oftmals kann man aber auf der Wanderung, aber auch in Laichgewässer mehrere Männchen auf einem Weibchen klammern sehen. Dabei kann das Weibchen im Gewässer sogar ertrinken. Ob nun verpaart oder unverpaart im Laichgewässer angekommen, kann die Fortpflanzung der Erdkröten beginnen.
 
 
Das Leben beginnt in der Schnur
Im Wasser angekommen, beginnt der Kampf um die noch unverpaarten Weibchen. Die bereits verpaarten Erdkröten beginnen sofort mit der Eiablage. Große Weibchen können Laichschnüre mit bis zu 8000 Eiern ablegen, wobei in der Regel 2000-4000 Eier abgelegt werden. Nach der Eiablage wandern die Weibchen wieder Laichschnüreaus dem Gewässer ab, während die Männchen noch zurückbleiben und nach weiteren unverpaarten Weibchen Ausschau halten. Nach wenigen Wochen wandern aber auch die Männchen ab in ihr Sommerquartier und verbringen dort die Zeit bis zur Winterruhe.
Aus den Eischnüren, die das Weibchen um senkrechte Strukturen wie Wasserpflanzen gewickelt hat, schlüpfen nach wenigen Tagen die Kaulquappen. Erdkrötenkaulquappen bilden im Gewässer meist große Schwärme, die sie besser vor Fressfeinden schützen. Zusätzlich verfügen die Kaulquappen genau wie die adulten Kröten ein Gift, dass sie ungenießbar macht. Für Menschen ist das Gift (Bufotoxin) nicht gefährlich, aber es kann die Schleimhäute reizen.
Im Juni/Juli ist die Entwicklung der Kaulquappen abgeschlossen, nachdem die Hinter- und Vorderbeine gewachsen sind. Der Schwanz wird von der Kaulquappe resorbiert und fertig ist die Jungkröte. Bei warmfeuchten Wetter (wie nach einem Gewitter) wandern nun tausende und abertausende Erdkröten zeitgleich an Land, sodass der sogenannte Krötenregen entsteht.
 
Nahrung und Feinde
Iltis im TötungsrauschDie wenig wählerische Erdkröte frisst vor allem Regenwürmer, Tausendfüßer, Laufkäfer, Spinnen, Schnecken, Raupen und nachtaktive Insekten. Sie selbst hat viele Feinde: Neben der Krötengoldfliege, deren Larven den Nasen- und Rachenbereich adulter Erdkröten von innen her ausfressen, sind es vor allem Mäusebussard, Uhu, Waldkauz, Graureiher und Rabenvögel, aber auch der Iltis und die Ringelnatter, die den Amphibien nachstellen. Besonders Iltisse können wahre Erdkrötenmassaker anrichten. So geschehen im Merkener Busch im Jahr 2011. Dabei gerät der Iltis in einen Tötungsrausch. Er beißt dabei einer Erdkröte nach der anderen tot, ohne sie zu fressen. Manchmal frisst er auch nur die Leber der Kröten. Auch wenn dies grausam klingt, so gehört es doch zur Natur. Auf diese Weise kann es nicht zu einer massenhaften Vermehrung der Kröten kommen. Die Natur reguliert sich dementsprechend von alleine.
 
 
Amphibienschutzzaun
Erdkröte und Mensch
Der größte Feind der Erdkröte ist und bleibt jedoch der Mensch. Durch die vielen Straßen, die unsere Landschaft durchziehen, hat die langsame Erdkröte kaum eine Chance, die Begegnung mit dem Auto oder LKW zu vermeiden. Aus diesem Grund setzten sich schon seit Jahrzehnten Amphibienfreunde und Naturschützer mit Amphibienschutzzäunen für die Lurche ein. Die Schutzzäune verhindern das Überqueren der Straße, sind aber sehr zeitintensiv in der Betreuung, weil die Fangeimer an den Zäunen während der Laichwanderung jeden Morgen und Abend kontrolliert werden müssen.
Seit einigen Jahren werden jedoch zunehmend beim Neubau sowie bei der Reparatur von Straßen feste Leiteinrichtungen und Untertunnelungen verbaut. Diese bieten eine langfristige Lösung für die Amphibien und dadurch eine Sicherung der Population. Der Bau von festen Amphibienschutzanlagen fällt in Deutschland in die Zuständigkeit der Straßenbauverwaltungen des Bundes, der Gefahren durch AutoverkehrLänder und Kommunen. Sie befinden sich meistens an Landes- und Bundesstraßen und werden auf der Grundlage eines vom Bundesverkehrsministerium herausgegebenen technischen Merkblattes geplant und ausgeführt (Merkblatt zum Amphibienschutz an Straßen = MAmS 2000).
Im eigenen Garten ermöglichen Sie durch Anlage eines Naturgartens mit vielen Stauden, Büschen und Laubbäumen ein reichhaltiges Würmer-, Schnecken und Insektenleben, welches als Nahrungsquelle auch den Kröten zugutekommt. Der Garten sollte Bezug zur offenen Landschaft aufweisen, um von Amphibien besiedelt werden zu können, und es sollten keine stark befahrenen Straßen oder dichte Wohnbebauung dazwischen liegen.
 
 
Die Erdkröte im Kreis DürenSchutztunnel
Der NABU Kreisverband Düren e.V. betreut mehrere Amphibienschutzzäune im Kreisgebiet. An allen Zäunen bildet die Erdkröte als häufige Art den größten Anteil gesammelter Amphibien. Doch dies heißt nicht, dass die Erdkröte langfristig gesichert ist. An vielen Zäunen konnten wir in den letzten Jahren einen Rückgang der Erdkröten feststellen. Doch auch die anderen Amphibienarten nehmen ab. Dies liegt zum einen daran, dass Landlebensräume und Gewässer verloren gehen oder sich verschlechtern, aber auch andere Faktoren spielen beim Rückgang der heimischen Amphibienfauna eine Rolle. Wir werden auch in Zukunft versuchen, gegen diesen Rückgang vorzugehen und durch Optimierung von Landlebensräumen und Gewässern, durch Neuanlage von Gewässern oder durch Untertunnelung von Straßen Lösungen für Mensch und Amphibien zu finden.

Paarungsknäuel Erdkröte auf Grünfrosch

Kaulquappenschwarm getötete Erdkröte durch Krötenfliege

 


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